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Folge 11: Aktiv vs. passiv investieren – ETF oder Einzelaktien?

ETFs•04. Oktober 2026

Selbst Einzelaktien auswählen oder einfach einen Welt-ETF laufen lassen? Lennard und Flo erzählen offen, warum sie beide ihre Strategie angepasst haben: Lennard hat Einzelaktien verkauft und den neuen Vanguard FTSE Global All Cap (TER 0,07 %) als Core ins Depot geholt, Flo setzt seit dem Sommer auf den FTSE All-World. Dazu: MSCI World vs. All-World vs. Global All Cap, aktive Fonds gegen ETFs, Klumpenrisiko und KI-Blase – und das neue Altersvorsorgedepot ab 2027.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Beide Hosts haben ihre Strategie angepasst: Lennard, bisher reiner Einzelaktien-Anleger, hat mehrere Positionen verkauft und fährt jetzt wie Flo eine Core-Satellite-Strategie – ein Welt-ETF als Kern, Einzelaktien als Satelliten.
  • Lennards neuer Core ist der ausschüttende Vanguard FTSE Global All Cap (TER 0,07 %): aktuell rund ein Viertel seines Aktiendepots, Ziel 50 %. Flo setzt seit dem Sommer auf den thesaurierenden Vanguard FTSE All-World (TER 0,14 %) und peilt 50–60 % an.
  • Ein paar Flops reichen: Bei Lennard haben drei, vier schwache Aktien (u. a. Novo Nordisk, LVMH, Hermès) fast den gesamten Kursgewinn der übrigen Titel aufgezehrt. Und laut der von Flo zitierten Statistik schlagen über 90 % der aktiv gemanagten Fonds den Markt über 10–20 Jahre nicht.
  • Der größte Hebel bleibt das Einkommen: Als Selbstständige stecken beide ihre Zeit lieber in die eigenen Projekte als in die Suche nach der perfekten Aktie – die Marktrendite gibt es per ETF „ohne Kopfschmerzen“.
  • MSCI World = nur Industrieländer (rund 70 % USA), FTSE All-World = Industrie- und Schwellenländer (rund 60 % USA), FTSE Global All Cap = zusätzlich Small Caps. Breiter gestreut heißt aber nicht automatisch mehr Rendite.
  • Auch ein Welt-ETF hat ein Klumpenrisiko: Die Top 10 machen je nach Index rund 22–27 % aus und sind fast nur US-Tech. Die Angst vor der KI-Blase halten beide trotzdem für überzogen – etwas Stabilität durch Nicht-Tech-Titel schadet aber nicht.
  • Altersvorsorgedepot ab 2027: Auf bis zu 1.800 € Eigenbeitrag pro Jahr gibt es bis zu 540 € Grundzulage (50 % auf die ersten 360 €, 25 % auf den Rest), eine Aktienquote von 100 % ist möglich. Beide wollen die Förderung voll ausnutzen – mit einem günstigen Welt-ETF.
Inhaltsverzeichnis
  1. Aktiv vs. passiv investieren: Worum geht es?
  2. Lennards Kehrtwende: vom Stockpicking zum Welt-ETF
  3. Flos Weg: FTSE All-World als Core seit dem Sommer
  4. Flop-Aktien: Warum schon ein paar Ausreißer reichen
  5. Holding & Geschäftsdepot: Einzelaktien in die Firma, ETFs ins Privatvermögen
  6. Der größte Hebel ist dein Einkommen
  7. McDonald’s & Co.: Aktien für die Ewigkeit bleiben
  8. MSCI World, FTSE All-World oder FTSE Global All Cap?
  9. Aktive Fonds vs. ETF: Wer schlägt den Markt?
  10. Klumpenrisiko: Wie viel Tech steckt im Welt-ETF?
  11. KI-Blase: Platzt der Hype wirklich?
  12. Top 10 in zehn Jahren: Auch Giganten können fallen
  13. Das Altersvorsorgedepot ab 2027: Förderung, Kosten & unsere Meinung
  14. Fazit: aktiv, passiv – oder beides?
  15. Häufige Fragen

In Folge 11 geht es um eine der Grundsatzfragen an der Börse: aktiv oder passiv investieren? Also selbst Einzelaktien auswählen – oder einfach einen ETF kaufen und laufen lassen? Wir sind diesmal wieder zu zweit am Mikro und haben beide etwas zu berichten: Wir haben zuletzt unsere Strategie angepasst. Lennard, bisher überzeugter Einzelaktien-Anleger, hat sich einen Welt-ETF ins Depot geholt. Flo ist schon seit dem Sommer wieder mit einem ETF unterwegs. Hier bekommst du das Gespräch kompakt zum Nachlesen.

Kurz vorweg, wie im Podcast: Das ist keine Anlageberatung, sondern persönliche Meinung und Erfahrung. Investitionen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden – informier dich immer selbst. Alle Zahlen zu ETFs und Depots entsprechen dem Stand der Aufnahme im Herbst 2026.

Aktiv vs. passiv investieren: Worum geht es?

Aktiv investieren heißt: Du (oder ein Fondsmanager) suchst gezielt einzelne Aktien aus – mit dem Ziel, besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Passiv investieren heißt: Du kaufst über einen ETF einfach den ganzen Markt und nimmst dessen Rendite mit, ohne dich um einzelne Unternehmen kümmern zu müssen.

Flo nennt den ETF in der Folge bewusst überspitzt „eine gewisse Rendite-Garantie“: Wächst der Gesamtmarkt, profitierst du zwangsläufig mit. Eine echte Garantie ist das natürlich nicht, auch der Gesamtmarkt kann fallen. Beim Stockpicking kannst du aber sogar dann danebenliegen, wenn der breite Markt gerade gut läuft. Genau diese Erfahrung haben wir beide gemacht.

Lennards Kehrtwende: vom Stockpicking zum Welt-ETF

Als wir den Podcast gestartet haben, hatte Lennard ausschließlich Einzelaktien im Depot – noch in Folge 9 war das so. ETFs hatte er früher schon einmal, aber der Ehrgeiz, den Gesamtmarkt zu schlagen, war größer. Das hat nach eigener Aussage nur „so semi-gut“ funktioniert: Während der MSCI World auf Jahressicht fast 30 % gemacht habe, sei sein Depot bei 10–12 % „rumgedümpelt“, Dividenden schon eingerechnet. Ein einzelnes Jahr hat wenig Aussagekraft, zu denken gegeben hat es ihm trotzdem.

Dazu kam ein neuer ETF, den er sofort spannend fand: der Vanguard FTSE Global All Cap. Er deckt praktisch den gesamten Weltaktienmarkt ab und kostet nur 0,07 % pro Jahr (TER). Lennard hat drei, vier Einzelpositionen verkauft und das Geld komplett umgeschichtet. Der ETF macht jetzt schon rund 25–26 % seines Aktienportfolios aus, das Ziel sind 50 %. Damit das nicht ewig dauert, hat er sich zwei Regeln auferlegt:

  • Verkauft er noch eine Einzelaktie, fließen mindestens 80 % des Erlöses in den ETF.
  • Kauft er eine Einzelaktie nach, wandert zusätzlich das Dreifache dieses Betrags in den ETF. Aus 1.000 € Nachkauf werden also 3.000 € ETF.

Weitere Verkäufe sind erst mal nicht geplant, es wird ein schleichender Prozess über Monate oder sogar Jahre. Gewählt hat Lennard übrigens die ausschüttende Variante: Sein Depot bleibt ein Dividendendepot (mehr dazu in Folge 4), und Cashflow ist ihm am Ende wichtiger „als das letzte Prozent Wachstum“. Die andere Hälfte soll weiter aus dividendenstarken Einzeltiteln bestehen, eventuell kommt irgendwann auch wieder ein Dividenden-ETF dazu.

Flos Weg: FTSE All-World als Core seit dem Sommer

Flo hat denselben Schwenk schon ein paar Monate hinter sich. Angefangen hatte er ursprünglich mit einem klassischen 70/30-Sparplan (70 % MSCI World, 30 % Emerging Markets), danach rund zwei Jahre lang nur auf Einzelaktien gesetzt. Ein Jahr lief richtig gut, aber selbst da kam er nicht an den S&P 500 heran. Seit Mai/Juni hat er deshalb wieder einen ETF im Depot: den thesaurierenden Vanguard FTSE All-World mit 0,14 % TER. Den Global All Cap gab es damals noch nicht.

Aktuell steckt knapp ein Viertel seines Gesamtvermögens im ETF. Insgesamt machen Aktien rund 70 % aus, dazu kommen jeweils gut 10 % P2P-Kredite und Bitcoin (beides hat er zuletzt aufgestockt) sowie etwas Cash. Sein Plan: 50–60 % in den FTSE All-World und daneben rund 15 richtig gute Unternehmen, die er stärker gewichten will. Wie diese Core-Satellite-Strategie funktioniert, hat Flo in Folge 3 ausführlich erklärt.

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Flop-Aktien: Warum schon ein paar Ausreißer reichen

Das Kernproblem beim Stockpicking beschreibt Lennard an seinem eigenen Depot: Er hat überwiegend solide Unternehmen mit solidem Geschäftsmodell ausgewählt und lag damit meistens auch richtig. Aber drei, vier Aktien sind katastrophal gelaufen, darunter Novo Nordisk, LVMH und Hermès. Diese wenigen Flops haben den Gewinn der übrigen Titel fast vollständig aufgezehrt. Unterm Strich blieben im Wesentlichen die Dividenden.

Ein ETF nimmt dir dieses Risiko nicht komplett, aber er verteilt es: Einzelne Ausreißer nach unten fallen bei mehreren tausend Unternehmen kaum ins Gewicht. Dazu kommt die Bequemlichkeit. Lennards Freundin hat seit Jahren einfach einen All-World-ETF, schaut alle paar Wochen mal ins Depot – und hat in den letzten Jahren eine deutlich bessere Rendite erzielt als er mit all seiner Analyse.

Holding & Geschäftsdepot: Einzelaktien in die Firma, ETFs ins Privatvermögen

Bei Lennard spielt noch ein zweiter Grund hinein: Er hat mehrere Unternehmen und baut gerade eine Holdingstruktur auf, weil er privat gar nicht so viel Geld braucht, wie er verdient. Passend dazu hat Trade Republic Ende September 2026 ein Depot für Unternehmen gestartet (den „Private Holding Account“, zum Start für GmbHs und UGs mit einem alleinigen Gesellschafter-Geschäftsführer). Gehandelt wird zu denselben Preisen wie im Privatdepot, also für 1 € pro Order, und auf nicht investiertes Guthaben gibt es aktuell 2,5 % Zinsen. Bisher bedeutete ein Geschäftsdepot in Deutschland vor allem viel Papierkram. Lennard rechnet damit, dass andere Broker nachziehen. Kleine Randnotiz: Als die Meldung kam, saßen wir gerade zusammen bei McDonald’s und haben „die Dividende reinvestiert“.

Steuerlich macht das laut Lennard einen großen Unterschied: In einer Kapitalgesellschaft sind Kursgewinne aus Einzelaktien zu 95 % steuerfrei, effektiv fallen nur rund 1,5 % Steuern an, solange das Geld in der Holding bleibt. Für ETFs gilt diese Regel nicht, und Dividenden aus solchen Aktienpositionen werden in der Holding voll besteuert. Seine Konsequenz: Einzelaktien wandern perspektivisch in die Holding (dort eher wachstumsstarke Titel mit niedriger Dividende), während das Privatvermögen auf ETFs setzt. Das ist seine persönliche Einordnung und keine Steuerberatung. Wer so etwas plant, sollte es mit einem Steuerberater durchgehen.

Der größte Hebel ist dein Einkommen

Wir sind beide selbstständig, Lennard in Vollzeit, Flo nebenbei. Genau deshalb ist „aktiv oder passiv?“ für uns auch eine Zeitfrage: Der Ertrag ist viel größer, wenn wir unsere Zeit in die eigenen Unternehmen und Projekte stecken, statt nach der perfekten Einzelaktie zu suchen. Anders sähe es bei einem Millionen-Depot aus, in dem eine einzelne Position 50.000 oder 100.000 € groß ist.

Lennard merkt die Größenordnung langsam: Bei rund 260.000 € Aktienvolumen (inklusive ETF) bedeuten 10 % Marktbewegung schon 26.000 €. Trotzdem konnte er schlechte Börsenmonate bisher immer über sein Einkommen ausgleichen. Ob er mit perfektem Stockpicking auf Dauer 9 statt 8 % pro Jahr schafft, ist für ihn deshalb zweitrangig. Lieber nimmt er die Marktrendite „ohne Kopfschmerzen“ mit. Denselben Gedanken haben wir für Einsteiger schon in Folge 9 durchgespielt.

McDonald’s & Co.: Aktien für die Ewigkeit bleiben

Ganz ohne Einzelaktien geht es bei uns trotzdem nicht, dafür macht es uns zu viel Spaß, uns mit Unternehmen zu beschäftigen. Lennards Beispiel ist McDonald’s: eine seiner größten Positionen, aktuell rund 15 % im Minus, und er kauft weiter nach (nicht blind, wie er betont). Unter Druck steht die Aktie aus seiner Sicht, weil die Umsätze in den USA zurückgehen (Stichwort Abnehmspritzen) und weil der Konzern angekündigt hat, Milliarden in den Umbau zu stecken: familienfreundlichere Restaurants, mehr Automatisierung. Für ihn bleibt es ein Unternehmen „für die Ewigkeit“, denn gegessen wird immer. Ähnlich sieht er Waste Management: ein Geschäft, das sich von KI nicht einfach verdrängen lässt.

Flo nennt als Beispiele für Qualität, die er neben dem ETF stärker gewichten möchte, Microsoft, Waste Management, McDonald’s und ASML. Welche Titel wir als Buy-and-Hold-Kandidaten sehen und wie wir nachkaufen, haben wir in Folge 7 besprochen.

MSCI World, FTSE All-World oder FTSE Global All Cap?

Falls du bei den ganzen Indexnamen nur Fragezeichen im Kopf hast – so unterscheiden sich die drei:

  • MSCI World: nur Industrieländer. Die USA machen rund 70 % aus, Schwellenländer fehlen komplett. Auch China ist nicht dabei, es zählt als Schwellenland und steckt in den Emerging Markets.
  • FTSE All-World: Industrie- und Schwellenländer in einem Produkt, rund 4.000 Unternehmen, USA-Anteil rund 59 %. Der Vanguard-ETF darauf kostet 0,14 %. Ganz ähnlich aufgebaut ist der MSCI ACWI.
  • FTSE Global All Cap: wie der All-World, aber zusätzlich mit Small Caps. Je nach Quelle sind das rund 6.500 bis 10.000 Unternehmen, weil der ETF den Index per Sampling abbildet. Der USA-Anteil liegt bei rund 60 %, da viele Small Caps aus den USA kommen. Der neue Vanguard-ETF kostet 0,07 % – halb so viel wie der All-World.

Natürlich kann man sich das auch selbst zusammenbauen: 70/30 aus MSCI World und Emerging Markets, 60/30/10 mit zusätzlichem Europa-ETF oder ein S&P 500 plus Schwellenländer und Europa. Alle Wege führen nach Rom. Flo hat sich bewusst für „keep it simple“ entschieden: ein ETF, der fast alles abdeckt.

Und die Rendite? Über Jahrzehnte sind Small Caps historisch tendenziell etwas besser gelaufen als große Unternehmen. In den letzten zehn Jahren war es umgekehrt: Der MSCI World lag nach Lennards Zahlen etwa einen Prozentpunkt pro Jahr vor dem Global-All-Cap-Index, weil vor allem die „Magnificent 7“ enorm gelaufen sind. (Den ETF gibt es erst seit August 2026, den Index dahinter schon deutlich länger.) Breiter gestreut heißt also nicht automatisch besser.

Aktive Fonds vs. ETF: Wer schlägt den Markt?

Früher galten aktiv gemanagte Fonds als das Nonplusultra, verkauft von Banken und Versicherungen. Flos „Unpopular Opinion“: Die braucht es heute nicht mehr. Ein aktiver Fonds kostet schnell 1,5–2,5 % pro Jahr, ein Welt-ETF 0,07–0,14 %. Diese Differenz muss der Fondsmanager erst einmal zusätzlich erwirtschaften, und zwar jedes Jahr.

Flo hat zur Vorbereitung nachgeschaut, wie oft das gelingt: Über Zeiträume von 10 bis 20 Jahren schaffen es über 90 % der aktiven Fonds nicht, den Markt zu schlagen. Und das sind Profis mit Analystenteams, die den ganzen Tag nichts anderes machen. Der Rückschluss für uns Privatanleger liegt nahe: Wenn es die meisten Profis nicht schaffen, ist es nicht besonders wahrscheinlich, dass wir es dauerhaft schaffen.

Das soll niemandem die Lust auf Einzelaktien nehmen. Es gibt Chancen, und wir hatten beide richtig gute Treffer, Flo zum Beispiel mit Caterpillar oder ASML (auch wenn er zu früh verkauft hat). Man sollte die Statistik nur im Hinterkopf behalten.

Klumpenrisiko: Wie viel Tech steckt im Welt-ETF?

Nachdem wir Einzelaktien so kritisch gesehen und ETFs fast glorifiziert haben, gehört auch die andere Seite dazu. Ein ETF heißt: alle Eier in einem Korb. Das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Und der Korb ist kopflastiger, als viele denken (Zahlen zum Zeitpunkt der Aufnahme):

  • Im FTSE Global All Cap machen die zehn größten Positionen knapp 22 % aus, Nvidia allein rund 4,4 %.
  • Im MSCI World sind es knapp 27 %. Nvidia kommt hier auf etwa 5,5 %, Apple ebenfalls auf über 5 %.
  • Der Technologiesektor ist im Global All Cap mit rund 34 % gewichtet, bei MSCI World und All-World sieht es ähnlich aus.

Die Top 10 lesen sich wie ein Who’s who der US-Tech-Branche: Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom, Meta. Kommt ein Tech-Crash, tut das auch im Welt-ETF weh. Wer mehr Stabilität möchte, kann gezielt Einzeltitel außerhalb des Tech-Sektors beimischen. Genau dafür sind unsere Satelliten gedacht.

KI-Blase: Platzt der Hype wirklich?

Bei der Frage, ob die viel beschworene KI-Blase platzt, sind wir uns ziemlich einig: Es wird zu viel mit der Angst gespielt. Der Vergleich mit der Dotcom-Blase hinkt aus unserer Sicht. Damals reichte „Internet“ im Firmennamen, und kaum eines dieser Unternehmen verdiente Geld. Heute sind Umsätze und Gewinne da. Umsätze lassen sich zwar aufblähen, wenn sich KI-Unternehmen gegenseitig Milliarden hin- und herschieben, Gewinn und Free Cashflow aber nicht so einfach. Und gemessen am Gewinn ist etwa Nvidia laut Flo gar nicht so hoch bewertet (Tesla mit einem KGV um 300 ist ein Sonderfall).

Gleichzeitig gilt: Es wird nicht ewig nur nach oben gehen, wir wissen bloß nicht, wann es dreht. Und im Technologiesektor steckt das größte Disruptionspotenzial. Lennard hat sich in den letzten Monaten mit KI-Tools selbst Software gebaut, für die Agenturen vor ein, zwei Jahren noch 50.000–70.000 € aufgerufen hätten. Das war auch ein Grund, warum er SAP mit Gewinn verkauft hat: Das Unternehmen hat durch den Lock-in-Effekt bei seinen Kunden weiter seine Daseinsberechtigung, aber klassische Software könnte schneller unter Druck geraten als gedacht. Microsoft und andere Tech-Konzerne sieht er bei KI besser aufgestellt. Über den ETF ist er ohnehin weiter an SAP beteiligt.

Top 10 in zehn Jahren: Auch Giganten können fallen

Aktuell liefern sich eine Handvoll KI-Modelle ein Wettrennen: Gemini, Claude, ChatGPT, Copilot, dazu Meta und DeepSeek. Dass in zehn Jahren alle noch gebraucht werden, halten wir für unwahrscheinlich, vermutlich setzen sich ein, zwei durch. Wer zu 100 % auf KI oder nur auf ein, zwei Unternehmen setzt, kann damit also auch komplett danebenliegen. (Lennard erwähnt Medienberichte, nach denen Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, noch im Herbst an die Börse gehen will. Ob und wann es wirklich so kommt, bleibt abzuwarten.)

Wie schnell KI die Arbeit verändert, merken wir selbst: Wir arbeiten beide viel mit Claude Code, auch am Podcast. Lennard lässt die Videos seiner anderen Kanäle inzwischen komplett per KI schneiden und animieren, statt selbst stundenlang daran zu sitzen oder einen Cutter einzustellen. Flo hat gerade sein erstes Short hochgeladen, das so entstanden ist. Seine Einschränkung: Bei den Ideen ist der Mensch noch klar vorne, die KI glänzt bei der Ausarbeitung. Für Flo war das der Moment, in dem er wirklich verstanden hat, was da auf uns zukommt – und dass leider viele Jobs wegfallen werden.

Für Anleger heißt das: Gut möglich, dass von den heutigen Top-10-Unternehmen der Welt in zehn Jahren nur noch ein, zwei oder drei übrig sind. Nokia und Blackberry haben das iPhone belächelt und die Quittung bekommen. Selbst Apple stand in seiner Geschichte mehrfach auf der Kippe, und Tesla war einmal kurz vor der Pleite. Auch ein Gigant kann fallen – ein Argument mehr für breite Streuung.

Das Altersvorsorgedepot ab 2027: Förderung, Kosten & unsere Meinung

Zum Schluss ein Thema, das perfekt zu ETFs passt und über das wir im Podcast noch nie ausführlich gesprochen haben: das Altersvorsorgedepot. Es startet zum 1. Januar 2027 als freiwilliger, staatlich geförderter Baustein der privaten Altersvorsorge. Anbieter werden neben den großen Versicherern auch die Neobroker sein: Scalable Capital, Trade Republic und Smartbroker+ haben sich bereits angekündigt, teils ohne Depot- und Sparplangebühren. Der große Unterschied zu früheren Produkten: Es ist eine Aktienquote von 100 % möglich, zum Beispiel über einen Welt-ETF.

So funktioniert die Förderung, über die wir in der Folge sprechen:

  • Mindesteigenbeitrag: 120 € pro Jahr, also 10 € im Monat.
  • Stufe 1: 50 % Zulage auf die ersten 360 € Eigenbeitrag pro Jahr, das sind bis zu 180 €.
  • Stufe 2: 25 % Zulage auf Beiträge zwischen 360 € und 1.800 €, also bis zu weitere 360 €.
  • Maximum: Wer 1.800 € im Jahr einzahlt (150 € im Monat), bekommt 540 € Grundzulage. Das sind 30 % auf den eigenen Beitrag. Für Kinder gibt es zusätzliche Zulagen.
  • Für wen: Angestellte und – das stand lange mit Fragezeichen da – auch Selbstständige.

Die Obergrenze, die Lennard in der Folge nicht parat hatte: Insgesamt lassen sich bis zu 6.840 € pro Jahr einzahlen, Zulagen gibt es aber nur auf die ersten 1.800 €.

Wir finden beide: ein guter Schritt in die richtige Richtung, denn die gesetzliche Rente wird für unsere Generation nicht reichen. Wir wollen die Förderung voll ausnutzen – Lennard mit dem Global All Cap, den auch Flo für sein Altersvorsorgedepot ins Auge fasst. Kritik haben wir trotzdem:

  • Freiwillig statt verpflichtend. Flo hätte sich eine kleine Pflicht gewünscht, etwa 2 % vom Bruttolohn, mit stärkerer Unterstützung für niedrige Einkommen. Lennard würde zumindest einen kräftigeren Anreiz setzen: Wer einmal ein Depot eröffnet und einen ETF ausgewählt hat, bleibt eher dabei.
  • Die Kosten. Lennard hätte sich einen härteren Kostendeckel gewünscht, 0,5 % würden die ETF-Kosten fast überall decken. (In der Folge nennt er noch 1,5 %. Beschlossen wurde für das Standarddepot ein Deckel von 1,0 % Effektivkosten pro Jahr.)
  • Zu spät. Der Schritt kommt aus unserer Sicht mindestens zehn Jahre zu spät.

Unser Appell: Setz dich mit dem Thema auseinander, vergleiche die Anbieter und achte auf die Kosten. Ein überteuertes Produkt kann dich über die Jahrzehnte Zehntausende Euro kosten. Ein günstiger Anbieter mit einem breit gestreuten Welt-ETF ist aus unserer Sicht der naheliegende Weg (keine Anlageberatung).

Und Anleihen? Früher gehörte eine Anleihenquote von vielleicht 20 % fast automatisch ins Depot. Für sich persönlich sieht Flo dafür aktuell keinen Grund. Wer mehr Stabilität möchte, kann das natürlich weiterhin so machen.

Fazit: aktiv, passiv – oder beides?

Der rote Faden dieser Folge: Passiv ist für die meisten der bessere Kern. Ein günstiger Welt-ETF liefert die Marktrendite ohne Aufwand, und die Statistik spricht klar dagegen, den Markt mit Stockpicking dauerhaft zu schlagen. Aktiv lohnt sich vor allem dann, wenn du Spaß daran hast, Zeit investieren willst und dir bewusst ist, dass ein paar Flops die Rendite auffressen können. Wir machen deshalb beides: ein Welt-ETF als Core (Ziel 50–60 %), drumherum Qualitätsaktien als Satelliten. Unsere meiste Zeit fließt weiter in das, was den größten Hebel hat: unser Einkommen.

Team ETF, Team Einzelaktien – oder beides? Schreib es uns in die Kommentare bei YouTube oder per DM auf Instagram. Und für unsere geplanten Depot-Roasts aus der Community: Schick uns einfach deinen getquin- oder Parqet-Link. Danke fürs Zuhören – bis nächsten Sonntag!

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Investieren?

Beim aktiven Investieren wählst du selbst (oder ein Fondsmanager) gezielt einzelne Aktien aus, um besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt – das kostet Zeit und kann danebengehen. Beim passiven Investieren kaufst du über einen ETF einfach den ganzen Markt und nimmst dessen Rendite zu sehr niedrigen Kosten mit. Beides lässt sich kombinieren, zum Beispiel mit einer Core-Satellite-Strategie. Keine Anlageberatung.

ETF oder Einzelaktien – was ist besser?

Für die meisten Anleger ist ein breit gestreuter Welt-ETF die einfachere und statistisch verlässlichere Basis: Laut der in der Folge zitierten Statistik schlagen über 90 % der aktiv gemanagten Fonds den Markt über 10–20 Jahre nicht. Einzelaktien können sich als Beimischung lohnen, wenn man Spaß daran hat und Zeit investieren will. Lennard und Flo kombinieren beides: ein Welt-ETF als Kern (Ziel 50–60 %), dazu ausgewählte Qualitätsaktien. Keine Anlageberatung.

Was ist der Unterschied zwischen MSCI World, FTSE All-World und FTSE Global All Cap?

Der MSCI World enthält nur große und mittelgroße Unternehmen aus Industrieländern, die USA machen rund 70 % aus; Schwellenländer wie China fehlen. Der FTSE All-World deckt zusätzlich die Schwellenländer ab (rund 4.000 Unternehmen, etwa 60 % USA). Der FTSE Global All Cap nimmt außerdem Small Caps dazu und kommt so auf rund 10.000 Unternehmen im Index.

Was ist eine Core-Satellite-Strategie?

Dabei bildet ein breit gestreuter ETF den stabilen Kern (Core) des Depots, oft 50 % oder mehr. Darum herum werden gezielt einzelne Investments als Satelliten ergänzt, etwa Einzelaktien oder andere Anlageklassen. So nimmt man die Marktrendite mit und kann trotzdem eigene Überzeugungen stärker gewichten.

Haben Welt-ETFs ein Klumpenrisiko?

Ja. Auch in einem Welt-ETF machen die zehn größten Positionen einen großen Teil aus – in der Folge nennen Lennard und Flo knapp 22 % beim FTSE Global All Cap und knapp 27 % beim MSCI World, fast ausschließlich US-Tech-Konzerne wie Nvidia, Apple und Microsoft. Fällt der Technologiesektor, trifft das auch den Welt-ETF spürbar. Wer das abfedern möchte, kann Titel aus anderen Branchen beimischen.

Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot ab 2027?

Die Grundzulage ist gestaffelt: 50 Cent je Euro auf die ersten 360 € Eigenbeitrag pro Jahr (maximal 180 €) und 25 Cent je Euro auf weitere Beiträge bis 1.800 € (maximal 360 €). Wer 1.800 € im Jahr einzahlt, bekommt also 540 € Grundzulage; für Kinder gibt es zusätzliche Zulagen. Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 120 € pro Jahr, gefördert werden Angestellte und Selbstständige. Stand: Oktober 2026 – prüfe die Details vor dem Abschluss.

Disclaimer

⚠️ Keine Anlageberatung

Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Unterhaltungszwecken und stellen keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Aufforderung zum Abschluss eines Finanzprodukts dar. Bitte informiere dich eigenständig und triff Entscheidungen auf Basis deiner persönlichen Situation und Risikobereitschaft.

📉 Risikohinweis & Totalverlust

Investments in Wertpapiere und andere Finanzinstrumente sind grundsätzlich mit erheblichen Risiken verbunden (z. B. Preis-, Markt-, Währungs-, Volatilitäts- und Bonitätsrisiken). Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.

📊 Renditen & Prognosen

Sämtliche Wertentwicklungsangaben, egal ob aus der Vergangenheit oder als Prognose/Einschätzung, sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Kapital und Renditen sind nicht garantiert.

🔍 Transparenz & Interessenkonflikte

Wir unterscheiden strikt zwischen Fakten und persönlichen Einschätzungen. Wichtig: Wir sind oft selbst in die besprochenen Werte investiert, wodurch ein Interessenkonflikt bestehen kann.

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