Folge 6: Nico investiert im Interview – 150.000-€-Portfolio, Rente mit 40 & seine größten Fehler
Der erste Gast im Podcast: Nico investiert. Wie ihn sein Opa mit 18 an die Börse brachte, warum Instagram seinen Account mit 58.000 Followern sperrte, wie sein rund 150.000 € großes Depot heute aufgebaut ist, wie er neben Aktien in Immobilie, Edelmetalle und P2P streut – und was hinter seinem Ziel 'Rente mit 40' steckt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nico (29, 'Nico investiert') ist der erste Gast im Podcast – bekannt aus Social Media, früher als 'Aktienboy 97', dessen Instagram-Account mit 58.000 Followern 2025 ohne Vorwarnung gesperrt wurde.
- Sein Börseneinstieg kam mit 18 durch seinen Opa; teure Anfängerfehler (BP und eine US-Kaufhauskette im Corona-Crash, dazu Wirecard) brachten ihn erst zur ernsthaften Analyse.
- Das Depot steht bei rund 150.000 € – früher Dividenden-fokussiert, heute deutlich tech-lastiger (Top 3: Amazon, Palo Alto Networks, Alphabet), mit dem klaren Ziel, den Markt zu schlagen.
- Neben Aktien diversifiziert Nico über eine Immobilie (noch im Bau), Edelmetalle und P2P-Kredite – Letztere decken bewusst die Cashflow-Komponente ab.
- Sein Ziel 'Rente mit 40' meint eigentlich finanzielle Freiheit (Richtwert: siebenstellig, ~1,5 Mio. €) – getragen von einem minimalistischen 'Lebe unter deinen Verhältnissen'-Ansatz (24 Jahre alter Golf 4).
- Wichtigste Learnings: Fundamentalanalyse zuerst, Geduld als wichtigste Eigenschaft – und wer heute neu startet, fährt mit breit gestreuten ETFs oft einfacher als mit Einzelaktien.
Inhaltsverzeichnis
- Wer ist Nico investiert?
- Der Instagram-Bann: 58.000 Follower über Nacht weg
- Nicos Börseneinstieg – und die teuren Anfängerfehler
- Das 150.000-€-Portfolio: von der Dividenden- zur Wachstumsstrategie
- Cash, Crashs und der Markt: Nicos Mentalität
- Neben Aktien: Immobilie, Edelmetalle und P2P
- „Rente mit 40": finanzielle Freiheit & Minimalismus
- Nicos Analyse-Ansatz und größte Learnings
- Fazit
- Häufige Fragen
In Folge 6 gibt es eine Premiere: unser erstes Interview und damit den ersten Gast im Podcast. Flo hat sich Nico eingeladen – vielen besser bekannt als „Nico investiert". Nico nimmt uns mit in seine Anfänge an der Börse, teilt seine Fehler und Learnings und gibt einen sehr transparenten Einblick in sein rund 150.000 € großes Aktienportfolio und sein Ziel „Rente mit 40". Hier bekommst du das Gespräch kompakt zum Nachlesen.
Kurz vorweg, wie im Podcast: Das ist keine Anlageberatung, sondern persönliche Meinung und Erfahrung. Investitionen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden – informier dich immer selbst.
Wer ist Nico investiert?
Nico ist 29 Jahre alt, kommt aus dem Landkreis Landsberg am Lech in der Nähe von München und ist von Beruf Chemielaborant – also aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Seit rund viereinhalb Jahren macht er nebenbei Finanz- und Aktien-Content auf Instagram, YouTube und TikTok und teilt dort seinen eigenen Weg. Wenn er nicht gerade Aktien analysiert, ist er viel mit dem Fahrrad oder beim Wandern draußen unterwegs.
Der Instagram-Bann: 58.000 Follower über Nacht weg
Viele kennen Nico noch unter seinem alten Namen „Aktienboy 97". Der Name blieb hängen – „so schlecht, dass er wieder gut war" –, doch im Mai 2025 kam ohne jede Vorwarnung die Meldung: Konto gesperrt. Betroffen waren gleich mehrere Accounts, darunter sein Hauptkanal mit 58.000 Abonnenten und sein Privataccount. Eine Erklärung gab es nie, ein Anwalt hätte nur hohe Kosten ohne echte Erfolgsaussicht bedeutet.
Statt zu resignieren, nutzte Nico den Rückschlag als Neuanfang: zwei Monate Pause, dann ein Rebranding zu „Nico investiert", ein einheitlicherer Auftritt und mehr Fokus auf Reels und Video – auf Instagram wie auf YouTube. Der große Account ist weg, aber die Zeit hat ihn viel gelehrt.
Nicos Börseneinstieg – und die teuren Anfängerfehler
Der Türöffner war Nicos Opa, der sich schon seit Jahrzehnten mit Aktien beschäftigte. Zum 18. Geburtstag zeigte er ihm an einem Nachmittag ein paar Charts – Nico verstand kaum etwas, war aber sofort fasziniert. Das ist heute rund 11 Jahre her, zu einer Zeit, als Aktien unter jungen Leuten noch kein Thema waren und es die heutigen Neobroker noch gar nicht gab. Also startete er mit einem Comdirect-Konto, zahlte hohe Gebühren und kaufte anfangs ziemlich planlos Aktien, von denen er gehört hatte – und verbrannte dabei einiges an Geld.
Der Weckruf kam 2020: Im Januar wollte er es „richtig" machen, kaufte solide Dividendentitel wie BP und eine US-Kaufhauskette – zwei Monate später kam der Corona-Crash, und ausgerechnet diese Werte stürzten rund 80 % ab. Kurz darauf noch Wirecard, das im Juni 2020 kollabierte. Ab da war klar: entweder ernsthaft mit dem Thema beschäftigen oder ganz sein lassen. Nico entschied sich fürs Lernen – und legte Ende 2020 / Anfang 2021 den Grundstein für sein heutiges Portfolio.
Wie er sich sein Wissen aufgebaut hat? Eine Mischung: der Opa als Initialzündung, dazu zwei, drei Bücher, viele News und YouTube-Videos zur Chartanalyse. Vor allem aber der Anspruch, sich Dinge selbst beizubringen, statt sich auf Tipps zu verlassen. Übrigens waren seine allerersten Käufe eine chinesische Solaraktie (JinkoSolar) und ein australischer Goldminen-Pennystock, bei dem die Gebühren höher waren als der Aktienkurs – aus rund 70 € wurden durch den Gold-Hype am Ende 1.500 bis 2.000 €. Ein echter „Lucky Shot", wie er selbst sagt.
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Das 150.000-€-Portfolio: von der Dividenden- zur Wachstumsstrategie
Nico teilt seinen Depotwert transparent auf Social Media – aktuell steht es bei rund 150.000 €. Früher lag sein Fokus klar auf Dividenden, doch er hat gemerkt, dass er damit renditetechnisch hinter den großen Indizes zurückblieb und Ausschüttungen nach Ausschöpfen des Freibetrags steuerlich weniger attraktiv werden. Heute ist sein Depot deutlich tech-lastiger – wenn auch kein reines Tech-Portfolio:
- Top-Positionen: Amazon, Palo Alto Networks und Alphabet machen zusammen rund 30.000 € aus.
- Defensive Stütze: viele Basiskonsum-Werte aus der Dividenden-Zeit, dazu Titel wie McDonald's, Booking Holdings oder Chipotle.
- Beimischung: Qualitätswerte plus einzelne Turnaround-Wetten (z. B. Novo Nordisk) – und ehrlicherweise auch „Fehlgriffe" wie PayPal oder Nike.
- Keine ETFs (noch): stammt aus seiner Anfangszeit; perspektivisch will er ein bis zwei ETFs ergänzen, sobald sich eine relevante Position (30.000–50.000 €) aufbauen lässt.
In der kleinen Schnellfragerunde wurde er noch konkreter: Als einziges Investment für die nächsten fünf Jahre würde er Amazon wählen (E-Commerce plus Cloud, Profiteur des KI-Themas). Der beste Finanzrat sei schlicht Geduld, der schlechteste „vermeintliches Insider-Wissen". Seinem 18-jährigen Ich würde er sagen: „Hab Geduld und mach's nicht zu kompliziert." Cashflow oder Wachstum? Aktuell Wachstum. Und ein Asset, in das er nie investieren würde: NFTs.
Cash, Crashs und der Markt: Nicos Mentalität
Nico fährt ein Vielkontenmodell und hält aktuell rund 10 % Cash beim Broker, dazu einiges in der Hinterhand. In den ersten Jahren war er fast voll investiert; heute könnte er einen ordentlichen Teil nachlegen, sollte es „richtig krachen". Wartet er auf den großen Crash? Nicht direkt – er sieht zwar ein paar Ungereimtheiten, aber der KI-Hype hat sich für ihn dadurch bestätigt, dass viele Unternehmen real sehr gut verdienen. Über eine mittlere Korrektur würde er sich trotzdem freuen.
Und genau das ist der spannende Reifungsprozess: Zu Corona-Beginn dachte er noch, „es erholt sich nie wieder". Heute hat er Korrekturen fast lieben gelernt – er hat eine Watchlist mit klaren Ziel-Kursen und würde sich fast genauso über einen 30-%-Crash freuen wie über steigende Kurse, weil er dann gezielt nachkaufen kann. Sein erklärtes Ziel ist es, den Markt zu schlagen: Mit dividendenstarken Depots gelingt das kaum, deshalb hat er sein Portfolio bewusst auf Werte umgebaut, die den S&P 500 outperformen können – ohne den Zwang, zwingend 20–25 % pro Jahr machen zu müssen.
Neben Aktien: Immobilie, Edelmetalle und P2P
Nico ist breiter aufgestellt als nur mit Aktien:
- Immobilie: Im letzten Winter erworben, aktuell noch im Bau – sein erster großer Schritt zur Diversifizierung, weil das Depot mit der Zeit eine gewisse Abhängigkeit schafft.
- Edelmetalle: schon früh und in kleinen Beträgen – unter anderem alte DM-Silbermünzen und Goldbarren, damals sogar über eBay-Kleinanzeigen gekauft. Die Goldbarren haben sehr gut performt.
- P2P-Kredite: anfangs skeptisch, inzwischen ein „riesiger Fan". P2P deckt für ihn bewusst die Cashflow-Komponente ab, die er in seinem Aktienportfolio herausgenommen hat – schöne, regelmäßige Erträge aus Geld, das sonst nur herumliegen würde. Wer tiefer einsteigen will: In unserer P2P-Folge gehen wir ausführlich auf Chancen und Risiken ein.
„Rente mit 40": finanzielle Freiheit & Minimalismus
Nicos Ziel „Rente mit 40" klingt drastisch – und ist bewusst so formuliert, weil es auf Social Media polarisiert. Gemeint ist eigentlich finanzielle Freiheit, und die ist sehr subjektiv: Für den einen sind es 100 € mehr Cashflow im Monat, für den anderen 10.000 €. Aufhören zu arbeiten will Nico ohnehin nicht – ihm wäre langweilig, er braucht eine Aufgabe. Es geht ihm um schöne Cashflows aus Dividenden, Mieteinnahmen und notfalls kleinen Entnahmen (bei ~7–9 % Wertzuwachs tun 1–2 % Entnahme nicht weh), um Alltag plus Extras entspannt zu decken.
Getragen wird das Ganze von einem sehr minimalistischen Lebensstil: Nico fährt einen 24 Jahre alten Golf 4 – sein erstes Auto, gekauft 2015. Sein Leitmotiv ist „Lebe unter deinen Verhältnissen": Einkommen steigern, Ausgaben niedrig halten. Nicht als Frugalist – für Urlaube oder ein Fahrrad gibt er gern Geld aus –, sondern für die Freiheit, sich über viele Dinge einfach keine Gedanken machen zu müssen. Eine feste Zielsumme nennt er nicht, aber sie soll „auf jeden Fall siebenstellig" sein; 1,5 Mio. € (inklusive Immobilie) sieht er als guten Richtwert.
Nicos Analyse-Ansatz und größte Learnings
Beim Thema Analyse wird Nico konkret. Sieht er ein interessantes Unternehmen, greift er zuerst die Standardkennzahlen ab – Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnis, Gewinn- und Umsatzwachstum, Margen, Verschuldung. Dazu macht er sich Gedanken über das Geschäftsmodell (Wird es durch Technologie bedroht – oder profitiert es?) und schaut sich die Peergroup an. Die Reihenfolge ist für ihn klar: erst Fundamentalanalyse, denn dort hat man die Zahlen schwarz auf weiß und kann die heutige Bewertung mit den letzten zehn Jahren vergleichen; danach Chartanalyse, vor allem fürs Timing beim Kauf. Besteht eine Aktie den fundamentalen Check nicht, ist sie für ihn erst mal raus.
Und die Fehler? Die hatten alle denselben Kern – losgelöst von Bewertung und Analyse gekauft:
- Wirecard: aus Gier gekauft, weil die Aktie überall hochgejubelt wurde – 2020 ein Totalschaden.
- PayPal: nach dem Corona-Hype ohne Blick auf die Bewertung eingestiegen und mehrfach nachgekauft – heute eine tote Position.
Sein wichtigstes Learning: Wer auf Einzelaktien setzt, kommt an ernsthafter Analyse nicht vorbei. Würde er heute bei null anfangen, würde er eher mit breit gestreuten ETFs (per Sparplan) starten – damit macht man wenig falsch und bekommt erst mal ein Gefühl für den Markt. Sparpläne selbst nutzt Nico übrigens nicht, sondern lässt Cash auflaufen und tätigt gezielte Einmalkäufe – ein Ansatz mit Vor- und Nachteilen, den er aber niemandem pauschal empfehlen würde. Flo hält mit seiner Core-Satellite-Strategie dagegen (FTSE All-World als Kern per Sparplan, dazu Einzelaktien) – weil er sich eingestehen musste, dass er den Markt nicht jedes Jahr schlägt.
Fazit
Nicos wichtigster Rat zum Schluss: Geduld mitbringen und dranbleiben – und sich nicht von den hohen Depotsummen anderer verunsichern lassen. Auch er hat bei null angefangen. Einkommen steigern, sich weiterbilden, denn „das wichtigste Investment ist immer das in sich selbst". Wer über viele Jahre mit einer soliden Strategie dranbleibt, kann sich einen echten Vorteil erarbeiten.
Ein starker Auftakt für unsere Gäste-Folgen – vielen Dank an Nico! Wenn du selbst als Gast dabei sein möchtest oder Themenwünsche hast, schreib uns gerne bei Instagram.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist Nico investiert?
Nico ist ein 29-jähriger Finanz-Creator aus dem Raum München (Landkreis Landsberg am Lech), von Beruf gelernter Chemielaborant. Auf Instagram, YouTube und TikTok ist er als 'Nico investiert' unterwegs (früher als 'Aktienboy 97') und teilt seinen Weg an der Börse. Er ist der erste Gast im jung-&-investiert-Podcast.
Wie groß ist Nicos Aktienportfolio und wie ist es aufgebaut?
Nicos Depot liegt bei rund 150.000 €. Früher war es stark auf Dividenden ausgerichtet, heute ist es wachstums- und tech-lastiger. Zu den größten Positionen zählen Amazon, Palo Alto Networks und Alphabet, dazu kommen Basiskonsum-Werte als defensive Stütze und einzelne Turnaround-Wetten. Aktuell hält er keine ETFs, plant sie aber perspektivisch. Keine Anlageberatung.
Was bedeutet Nicos Ziel 'Rente mit 40'?
Das Ziel ist bewusst für Social Media zugespitzt und meint eigentlich finanzielle Freiheit: genug Cashflow aus Dividenden, Mieteinnahmen und kleinen Entnahmen, um Alltag plus Extras wie Urlaube zu decken – ohne aufhören zu wollen zu arbeiten. Als Richtwert nennt Nico eine siebenstellige Summe, etwa 1,5 Mio. € inklusive Immobilie.
Was ist Nicos wichtigster Tipp für Einsteiger?
Geduld mitbringen und dranbleiben, sich nicht von hohen Depotsummen anderer verunsichern lassen, das eigene Einkommen steigern und sich weiterbilden – denn 'das wichtigste Investment ist immer das in sich selbst'. Wer heute neu startet, fährt mit breit gestreuten ETFs oft einfacher als mit Einzelaktien.
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